Das Märchen von der gespaltenen Gesellschaft

MEINUNG!
Oft ist dieser Tage die Rede von einer Spaltung der Gesellschaft. Da sollen die Guten auf der einen und die Bösen auf der anderen Seite sein. Die Profiteure und die Draufzahler, die Nehmer und die Geber, die Erwachten und die Schlafschafe, die Macher und die Faulen. Doch ist das wirklich so?

Der Frust sitzt tief, kaum jemand scheint glücklich zu sein in diesen Tagen. Ich kann das schon verstehen: Seit fast zwei Jahren wird unser Alltag immer wieder komplett durcheinandergebracht. Wenig Kontakte, Einschränkungen im Alltag, Abstände und und und. Da kann man schon die Nerven verlieren. Doch in den vergangenen Wochen habe ich das Gegenteil erlebt – zumindest in Amberg. Ich habe unzählige Gespräche mit Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen geführt: Gastronomen, Händler, Kunden, Gäste, Pfleger*innen, Mitarbeiter der Verwaltung, Schüler, Studenten und viele mehr. Und ja, da waren auch Menschen dabei, die mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Doch genau das eint sie alle – und uns alle. Keine Spur von Spaltung. Eher das Gegenteil. Denn den Ambergern scheint klar zu sein: Auch jetzt geht es nur zusammen. 

Zum Beispiel die Aktion ZAMHALTN: Innerhalb von nicht einmal 14 Tagen haben sich hunderte Menschen bereiterklärt, ein Mutmachpäckchen für eine Pflegekraft zu finanzieren. Doch nicht nur das – die Aktion entwickelte eine Dynamik, die mich noch lange beschäftigen wird: Menschen boten ihre Hilfe an, egal ob Wellnesmasagen, Hausaufgabenhilfe, Heilpraktiker für Haustiere, Hilfe im Haushalt, Mahlzeiten für die Pausen und vieles mehr. Alles kostenlos. In meinen Augen ist das eine Stadt, die hinter ihren stillen Helden steht, die deren Arbeit wertschätzt und dankbar ist. 

Ein weiteres Beispiel? Gerne: In den meisten Städten sind die Gastronomen erbitte Gegner. Aber nicht in Amberg. Hier habe ich schon viel erlebt, was man in anderen Städten kaum glauben kann: Eine Gaststätte gibt einer anderen die Möglichkeit, die Küche mitzubenutzen, damit der Lieferservice während einer nötigen Renovierungsmaßnahme nicht ruhen muss. Oder ein Gastronom, der selbst nicht zur Nachtgastronomie zählt, richtet mit einer Apotheke eine Corona-Teststation ein, um den Nachtgastronomen mit etwas beengterem Platzangebot Gäste zu sichern. Oder ein PopUp-Store, in dem sich die unterschiedlichsten Händler zusammentun, um gemeinsam mehr zu erreichen.

Natürlich stehen sich oft zwei Meinungen gegenüber – aber fast immer ist das Ziel das Gleiche: Diese schwierige Zeit hinter sich lassen, ohne zu großen gesellschaftlichen Schaden zu erleiden. Es geht schon lange nicht mehr um Corona als solches, sondern um das Miteinander von uns allen. Egal, wie uns Meinungen teilen – solange wir alle nach den gleichen Regeln spielen (also auch nach den derzeit geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen), kann uns als Gesellschaft keiner teilen. Ein kleiner, ein sehr kleiner Teil der Gesellschaft spaltet sich ab – aber eben nur ab. Die große Masse hält zusammen – die Amberger halten zusammen. 

Michael Sandner

Lassen wir uns nichts vormachen. Die Gesellschaft spaltet sich nicht. Ein paar wenige Splitter sind nur gerade recht laut und vermitteln so den Eindruck, eine gewichtige Stimme zu sein. Die große Mehrheit erzählt ihre Geschichten nicht, sie arbeitet lieber an dem, was wirklich zählt: Dem Zusammenhalt der Amberger.

Um dem Schweigen der Masse etwas entgegen zu setzen, könnt ihr hier gerne Eure ZAMAHLTN-Story erzählen..

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